Menschen im Hospiz – Ute Böhme
Fazit nach über 20 Jahren Musiktherapie
Zuverlässig, stets freundlich und wohltuend für die Empfangenden ihrer Klang- und Begleitungsarbeit, so war die Wirksamkeit unserer Musiktherapeutin über Jahrzehnte jeden Montag gesetzt. Ende Dezember hat sie ihre Arbeit in gute Hände übergeben. Ihre jüngere Kollegin Gabriele Jesche bringt ebenfalls einen reichen musiktherapeutischen Erfahrungsschatz von der Palliativstation im St. Elisabeth Krankenhaus und dem Kinderhospiz Bärenherz mit. Zukünftig wird Ute Böhme noch mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Wann und weshalb haben Sie die musiktherapeutische Arbeit in der Villa Auguste aufgenommen?
Bereits im Studium habe ich ein Praxisjahr auf der Palliativstation im St. Georg gemacht, weil mich das Thema interessierte. Dort lernte ich Dr. Thomas Krause kennen, der mich zur Eröffnung der Villa 2002 einlud. Tragischerweise konnte es zu keiner Zusammenarbeit mehr kommen. Nach einer Initiativbewerbung gelang der Start 2004, weil der Geschäftsführer Stefan Hüneburg offen für dieses Konzept war und später auch die Stiftung einbezog.
Welche Fähigkeiten konnten Sie dabei einbringen?
Vom Diplom als Musikwissenschaftlerin konnte ich für diese Arbeit relativ wenig übernehmen. Die eigentliche Quelle ist meine Ausbildung zur Anthroposophischen Musiktherapeutin. Diese 5 Jahre waren substanziell und enorm praxisnah. Sicher sehr hilfreich auch die Arbeitserfahrungen in der Filderklinik bei Stuttgart im Vorfeld. Dort gehören künstlerische Therapien ganz selbstverständlich zum Behandlungskonzept bis hin zu palliativer Begleitung.
Wie verlief der Beginn im Hospiz und welche Voraussetzungen braucht es, um sich hier gut einbringen zu können?
Das war Pionierarbeit in Leipzig (ich glaube zur damaligen Zeit auch in ganz Sachsen). Wir mussten lernen, wie geht das miteinander, mit den Abläufen, mit der Wirkung von MT, wie kommuniziert man das? Vertrauen und Verständnis mussten aufgebaut werden. Das brauchte Zeit und Durchhaltevermögen von allen Seiten. Grundvoraussetzung ist, gern mit Menschen zusammen zu arbeiten.
Haben Sie einen Lieblingsort im Hospiz?
Ja, tatsächlich das historische Wohnzimmer als wunderschöner Ort des morgendlichen Ankommens und Vorbereitens. Hier habe ich die Instrumente gestimmt, Stimmungen des Hauses aufgenommen und viele Bewohnerbegegnungen in und mit der Musik erleben dürfen.
Was hilft, mit der emotionalen Belastung umzugehen?
Rituale. Ich schreibe per Hand kleine Rückblicke in ein Buch. Das hilft nochmal wahrzunehmen, aber auch abzugeben. Manchmal bekommt man dabei eine Ahnung für das nächste Mal. Und natürlich ganz wichtig der Austausch mit Berufskollegen, die auch in palliativen Kontexten arbeiten. Mit Kollegen aus Berlin und Dresden habe ich zu diesem Zweck 2011 einen Arbeitskreis gegründet. Diese regelmäßigen Treffen sind sehr wertvoll.
Welche Eindrücke haben Sie im Hospiz geprägt?
Was ich in der Villa erlebt und gelernt habe, auch beim Scheitern, hat mich fundamental geprägt und sich auch auf die Arbeit in der Klinik und andere Bereiche befruchtend ausgewirkt.
Was sind Ihre Lieblingsbücher?
Ich mag die kurze Form. Gedichte geben mir sehr viel. Vielleicht durch die Verbindung zum Lied. Ansonsten bin ich auch für Empfehlungen offen, ob große Literatur oder Vergnügliches, gern mit viel Tiefgang.
Was ist Ihre Lebensmaxime?
Ich schätze es, wenn Menschen Herausforderungen annehmen, Beharrlichkeit zeigen und trotzdem flexibel und humorvoll bleiben.
Wie kann ein guter Abschied gelingen?
Es bleibt natürlich ein Abschiedsgefühl. Aber dadurch, dass die Musiktherapie in der Villa Auguste weiterklingen wird und in guten Händen ist, fällt der Abschied leichter.






