Menschen im Hospiz
Michael Kretschmer zu Besuch
Manchmal braucht es mehrere Anläufe. Der Terminkalender eines Ministerpräsidenten wird eben auch von Unerwartetem wie Koalitionsverhandlungen in Berlin fremdbestimmt. Umso erfreulicher, wenn es dann wirklich klappt. Das Haus in adventlichem Schmuck, seine Bewohner und Mitarbeitenden strahlten am letzten Freitag im November um die Wette. Einer von ihnen war Attila Mattukat, der aktuell Gast im Tageshospiz ist. Bei Kaffee und hausgemachter Eierschecke saß er in der großen Wohnküche direkt neben dem Ministerpräsidenten. Sachlich und direkt berichtete er von seinem absehbaren Lebensende. Sein Eindruck: „Herr Kretschmer war offen. Er hat natürlich eine besondere Führungsposition, aber ist keine abstrakte Figur, sondern ein Mensch wie jeder andere, mit dem man reden kann. Mir gefällt, dass für ihn Krankheit und Sterben ein wichtiges Thema ist, das man nicht ignorieren sollte.“
Michael Kretschmer war nicht zum ersten Mal im Hospiz Villa Auguste, aber zum ersten Mal im Tageshospiz, das vor knapp zwei Jahren als erstes in Sachsen eröffnet wurde. Bei einem Rundgang im gesamten Haus hat er sich von Geschäftsführerin Ivonne Hentschke auch eins der neuen Bewohnerzimmer zeigen und das Ineinandergreifen vom ambulanten und stationären Bereich erklären lassen. Das Tageshospiz bietet ein neues, wegweisendes Angebot: Menschen finden in einem frühen Stadium einer unheilbaren Erkrankung psychosoziale Hilfe, Beratung und Gemeinschaft, während sie weiterhin in ihrem vertrauten Zuhause leben können.
Es braucht tatkräftige Unterstützung auf allen Ebenen
Die ehemalige Sächsische Sozialministerin Christine Clauß war die erste in der Landesregierung, die den langen Entstehungsprozess in Leipzig unterstützt und bis zur Vollendung begleitet hat, erinnerten sich die ehemalige Bauherrin Beatrix Lewe ebenso wie der Ministerpräsident. Für mutige Projekte wie das Tageshospiz braucht es solche Tatkraft, bestätigte er. „Wenn Menschen in der Politik sind, die ein besonderes Wissen haben, weil sie selber aus dem Umfeld kommen, wie Frau Clauß als ehemalige Krankenschwester, ist das nicht nur enorm wichtig, sondern sie können auch andere überzeugen und immer wieder neue Umsetzungswege finden, wenn es an einer Stelle mal hakt.“ Dass die wertvolle Hospizarbeit dauerhaft Zuwendung in Form von Spenden, dafür gesellschaftliche Bewusstheit und eben auch die Politik braucht, betonte Professorin Christine Langenfeld. Als Schirmherrin setzt sie sich immer wieder für Sichtbarkeit ein und als Bundesverfassungsrichterin hat sie das Thema Menschenwürde besonders im Blick.
Für Michael Kretschmer wird durch die Begegnungen nachdrücklich in Erinnerung bleiben, dass Menschen im letzten Lebensabschnitt sich eine bemerkenswerte Kraft, Humor und Lebensfreude bewahren können. Nicht zuletzt aufgrund der professionellen Zuwendung, die sie in Hospizen erfahren. So wie Attila Mattukat, der seit geraumer Zeit zweimal pro Woche die Angebote im Tageshospiz wahrnimmt. Sein besonderes Interesse gilt dem Weltraum. Mit den neuen VR-Brillen im Ruhebereich war er kurz vor dem hohen Besuch noch in den unendlichen Weiten des Alls unterwegs: „Ich mache hier auf diese Weise noch viele Reisen. Überhaupt ist für mich jeder Tag, den ich im Tageshospiz erlebe, ein emotionaler Lichtblick. Ich bin schon seit über zehn Jahren allein zu Hause und weiß, dass Einsamkeit gefährlich ist. Alleine dass die Schwestern mir hier gut zureden, ist emotional so wertvoll.“ Eins steht fest, auch die Begegnung mit dem Ministerpräsidenten fällt in die Kategorie „besonders wertvoll“.
Diana Smikalla




