
Kunst im Hospiz
Fotografien von Angelos Gazis
Nach längerer Zeit können wir wieder eine Wechselausstellung mit Fotografien zeigen- und was für welche! Vom ersten Tag an gab es begeisterte Kommentare. Wir sehen Farbexplosionen und raffinierte Effekte, die herrliche Naturaufnahmen kunstvoll in einer Glaskugel oder gar in gefrorenen Seifenblasen konzentrieren. Wir staunen und erfreuen uns an diesen Motiven.
Normalerweise sind Fotoausstellungen besonders aufwendig, denn sie bedeuten stets auch teure und zeitintensive Zuarbeit: das Ausdrucken der Motive in großen Formaten, das Bereitstellen geeigneter Wechsel-Galerierahmen, das Putzen dutzender Glasscheiben, das Ausrichten, Hängen und Beleuchten sowie Anbringen der Beschilderung. Mit den Werken von Dr. Gazis war alles unkompliziert, denn er schenkte uns nicht nur wunderbare Motive, sondern auch deren Produktion auf Hartfaser und das geräuschlose Hängen mit Hilfe unseres ehrenamtlichen Hausmeisters Hendrik Herre.
Die Ausstellungseröffnung fand im historischen Wohnzimmer der Villa Auguste mit Hospizgästen, Unterstützern und Mitarbeitenden statt. Dort spielte der vielfältig talentierte Dr. Gazis auch selbst Klavier, darunter eine hinreißende Eigenkomposition, eine „Ballade vom Vergehen“. Mit Künstlernamen semigreco (Halbgrieche) setzt er schöne Landschaften seiner deutschen wie auch griechischen Heimat effektvoll in Szene und nutzt dabei diverse Effekte. Etwa gefrorene, hauchfeine Seifenblasen, allesamt vergängliche Unikate; Glaskugelbilder, die neue Perspektiven schaffen; Makrofotografie, mit der er zu Linsen werdende Wassertropfen oder Pusteblumensamen im Zwiegespräch großartig inszeniert… Ein Bild hält fest, was wir oft nur flüchtig erleben, die Schönheit des Lebens ist vorübergehend, nicht greifbar, fließend. Wir brauchen Bilder, um etwas festzuhalten, um uns festzuhalten.
Angelos Gazis hat einen feinen, detailverliebten Blick entwickelt, der etwas Kontemplatives und Meditatives hat, der zum genauen Hinschauen und immer wieder neue Blickwinkel entdecken einlädt. Er selbst beschreibt es so: "Wenn ich durch den Sucher blicke, nehme ich die Welt intensiver wahr. Ich verschmelze mit dem Motiv, fokussiere mich mit aller Aufmerksamkeit darauf – eine Symbiose entsteht zwischen mir und dem Bild. In dem Moment, in dem ich den Auslöser drücke, existiere nur noch ich und dieser eine Moment. Ich bin Teil des Bildes. Ich ernte Momente. Ich ernte Emotionen. Ich ernte Zeit."
Seit fünf Jahren fotografiert der interventionelle Radiologe experimentell, suchend und spielerisch. In beiden Welten, Medizin und Fotografie, komme es dabei auf Präzision an, auf das Erkennen von Details und den richtigen Blick im richtigen Moment: "Als Arzt suche ich nach dem, was im Verborgenen liegt. Als Fotograf suche ich nach dem Besonderen, das sich erst im richtigen Licht oder der richtigen Perspektive offenbart oder nach dem Offensichtlichen, das danach strebt, künstlerisch eingebettet zu werden."
Beim Rundgang zu den Werken konnten sich die Gäste davon überzeugen. Von der Schönheit der Vergänglichkeit und der damit verbundenen Botschaft dieser Bilder: „Die Schönheit des Moments zu sehen, solange er währt.“
Der mit seiner Familie in Leipzig lebende Fotograf freut sich über das Interesse an seinen Werken: "Fotografie ist für mich Ausgleich, Meditation und künstlerischer Ausdruck zugleich – die Kunst, die Welt anders zu interpretieren und diese Sicht zu teilen."
Alle Bilder sind käuflich erwerbbar und zu finden auf seiner exzellenten Webseite und auf Instagram @semigreco
Der Kontakt per Mail lautet




